< zurück

Proteine – Bausteine des Lebens

Eiweiße (Proteine) sind Lebens-Bausteine für den Körper und in sämtlichem Gewebe und Strukturen wie Bindegewebe, Sehnen, Knorpel, Knochen, Haare, Hufe, Muskulatur enthalten. Eiweiße sind für die Speicherung von Stoffen, für die Bewegung und Muskelkontraktion, Enzyme, Stoffwechselregulation (z.B. Insulin), Immunsystem, Rezeptoren (z.B. Vermittlung exogener Signale in das Innere der Zelle) und auch für die Erregbarkeit von Muskel- und Nervenzellen mitverantwortlich, um nur einige Funktionen dieser wichtigen Makromoleküle zu nennen.

Qualitativ hochwertiges Protein ist in der heutigen Fütterung oft im Mangel und sorgt für zahlreiche Einschränkungen und Mangelsymptome im Körper des Pferdes. Deshalb lohnt es sich, die Proteinversorgung etwas ausführlicher zu betrachten.

Eiweiße werden aus einzelnen Aminosäuren aufgebaut. Wie gelangen diese Aminosäuren in den Körper des Pferdes? Mit der Nahrung wird Eiweiß (Protein) aufgenommen. Dieses wird im Körper zu einzelnen Aminosäuren abgebaut. Im Magen beginnt bereits der Abbau von Proteinen in Peptide und danach im Dünndarm der Abbau in einzelne Aminosäuren. Aus diesen einzelnen Aminosäuren baut der Körper dann wiederum körperspezifische Proteine auf, deren Zusammensetzung genetisch determiniert ist.  

Essentielle Aminosäuren können vom Körper nicht hergestellt werden und müssen über die Nahrung zugeführt werden:

  • Lysin
  • Threonin
  • Methionin/Cystein
  • Isoleucin
  • Leucin
  • Valin
  • Arginin
  • Histidin
  • Phenylalanin
  • Tryptophan

Heute kennen wir 23 Aminosäuren, aus denen Eiweiße aufgebaut werden, davon gibt es einige essentielle Aminosäuren, diese werden vom Körper als essentielle bezeichnet, da der Körper diese nicht selbst herstellen kann, sondern darauf angewiesen ist essentiellen Aminosäuren mit der Nahrung aufzunehmen. Wertbestimmend für die Qualität des Proteins im Futtermittel ist also der Gehalt an essentiellen Aminosäuren.

Des Weiteren gibt es limitierende Aminosäuren. Dies ist die essentielle Aminosäure, die in der Nahrung am ehesten in der geringsten Menge enthalten ist. Diese wird als limitierend bezeichnet, da ein Mangel an dieser essentiellen Aminosäure die gesamte Proteinsynthese (Herstellung des körperspezifischen Proteins) begrenzen kann. Vereinfacht erklärt kann man sich das folgendermaßen vorstellen. Der Körper möchte ein Protein herstellen, z.B. für Muskelprotein. Er reiht also verschiedene Aminosäuren aneinander. Nun ist eine essentielle Aminosäure nicht in ausreichender Menge über das Futter aufgenommen worden und steht im Körper nicht zur Verfügung. Nun stoppt die Synthese an der Stelle, weil diese Aminosäure fehlt und auch alle anderen Aminosäuren die vorhanden sind, können nicht genutzt werden. Das heißt das Fehlen dieser Aminosäuren schränkt (limitiert) die Fähigkeit des Körpers ein, dieses Protein herzustellen. 

Im Bereich der essentiellen Aminosäuren sind nicht viele wissenschaftliche Untersuchungen beim Pferd durchgeführt worden. Als limitierend gilt jedoch beim Pferd die Aminosäuren Lysin und Threonin. Ergänzen wir also in der Fütterung hochwertige Eiweißquellen mit gutem Aminosäurenmuster und/oder direkt die essentiellen Aminosäuren, so kann der Körper seine Arbeit ungestört durchführen und alle benötigen Proteine herstellen. 

Ein Mangel an qualitativem Protein und essentiellen Aminosäuren schadet dem gesamten Körper

Muskeln, Haut und Knochen enthalten sehr viel Protein. Für die Wiederherstellung von Gewebe ist deshalb qualitativ hochwertiges Eiweiß, sprich eine ausreichende Versorgung an essentiellen Aminosäuren unerlässlich. Besteht ein Mangel an Protein in der täglichen Futterration so kann sich dieser Mangel z.B. durch mangelndes Wachstum der Hufe und Haare zeigen, auch können Wunden schlechter heilen. Die Bildung der Muskulatur kann gestört sein und deren Regenerationsfähigkeit. Alle Enzyme und eine Vielzahl von Hormonen enthalten Eiweiß und sind für regulatorische Aufgaben sowie für die Kontraktionen und das Immunsystem von großer Wichtigkeit. Das heißt sämtliche Körperfunktionen und der Hormonhaushalt  können durch einen Mangel an essentiellen Aminosäuren eingeschränkt sein.  

Die Qualität der Eiweißversorgung wird bestimmt durch:

  • Verdaulichkeit des Eiweißes des jeweiligen Futtermittels im Dünndarm. (Eiweiß-Verdaulichkeit Heu ca. 45 – 50 %)
  • Gehalt an essentiellen Aminosäuren des jeweiligen Futtermittels

Seit 15 Jahren beschäftigen wir uns im Dr. Maroske Institut mit Heuanalysen und Rationsberechnungen. Schnell stellten wir fest, dass es in der Futterration häufig zu einem Mangel an Eiweiß und qualitativen Aminosäuren kommt. Heu wird für Pferde spät geschnitten und ist oft arm an Eiweiß. Steht im Winter kein Gras zur Verfügung oder sind die Wiesen abgegrast, kann es schnell zu einem Defizit an qualitativem Protein kommen. Ebenfalls tritt ein Mangel an Protein oft auf, wenn wenig Krippenfutter oder kein Getreide gefüttert wird. Auch in der Diätetik bei Empfindlichkeit im Zuckerstoffwechsel (z.B. Insulinresistenz, Equines Metabolisches Syndrom, Equines Cushing Syndrom, Hufrehe) kommt es häufig zu Einschränkungen im qualitativ hochwertigen Eiweiß. Leiden Pferde an Muskelstoffwechselproblemen (z.B. PSSM 2), so ist der tägliche Eiweißbedarf um 20 bis 100 % erhöht. Aufgrund notwendiger Restriktionen im Zucker- und Stärkegehalt der Futtermittel, ist es oft nicht einfach eine Eiweißquelle zu finden, die qualitatives Eiweiß liefert und gleichzeitig den Stoffwechsel nicht belastet.
Ältere Pferde sowie wachsende Pferde und Zuchtpferde benötigen ebenfalls eine hochwertige Proteinversorgung und so kann es je nach Rationszusammensetzung zu Einschränkungen kommen.

Betrachten wir nun etwas näher die Rationen der Pferde. Bekommen Pferde reichlich Gras ist sicherlich kein Eiweißmangel, sondern ein Eiweißüberschuss zu erwarten. Ansonsten ist die Eiweißversorgung immer abhängig vom Gehalt an Eiweiß im Grundfutter. Heu kann sehr unterschiedliche Gehalte an Rohprotein haben. Die Lufa Nord West veröffentlicht im Jahre 2021 Werte von 4,2 bis 15,6 % Rohprotein je kg Trockensubstanz. Wir können aus unserer Beratungspraxis berichten, dass es häufiger vorkommt, dass Heu einen Wert von 4 bis 6 % Rohprotein pro kg enthält und bei solchen geringen Mengen im Grundfutter ist ein Mangel rasch zu beobachten. Füttert man dann Sportpferden 3 bis 4 kg Hafer dazu, wird sich dieser Mangel im Grundfutter kaum bemerkbar machen, aber was ist mit den vielen Pferden die wenig Getreide benötigen oder getreidefrei ernährt werden. Nehmen wir z.B. einen Warmblüter mit 500 kg Körpergewicht und leichter Arbeit der pro Tag 10 kg Heu bekommt und das Heu 50 g Rohprotein (5 %) je kg enthält. Er nimmt also über das Heu 500 g Rohprotein auf. Laut NRC 2007 benötigt er ca. 700 g Rohprotein. Hafer enthält je kg ca. 105 g Rohprotein. Runden wir also die Ration mit 2 kg Hafer ab, ist der Eiweißbedarf gedeckt. Es kann aber gut sein, dass der Gehalt an essentiellen Aminosäuren etwas eingeschränkt ist. So kann durch eine zusätzliche Gabe von 10 bis 20 g Lysin pro Tag schon ein sichtbarer Unterschied in der Ausprägung der Muskulatur und Rittigkeit des Pferdes bestehen. 

Eiweiße sind Makromoleküle, die aus einzelnen Aminosäuren aufgebaut sind
Die wichtigsten Aufgaben des Eiweißes:

  • Grundbausteine des Körpers (Muskulatur, Organe, Blut, Bindegewebe, Blut, Verdauungssektrete)
  • Regulative Aufgaben (Peptid- und Proteohormone)
  • Katalytische Wirksamkeit (Enzyme)
  • Schutz- und Stützfunktionen (Knochen, Haut, Fell, Haut, Sehnen, Bänder, Bindegewebe)
  • Kontraktionen (Muskeln)
  • Abwehrmechanismen

Was aber nun, wenn das Pferd schnell zu dick wird oder auch Muskelstoffwechselprobleme hat und kein Getreide aufnehmen darf? Dann wird die Eiweißversorgung in dieser Ration ein Problem sein. Je nach Stoffwechseltyp kann man dann Luzerne einsetzen (nicht bei PSSM 2 aufgrund des hohen Calciumgehaltes) oder eiweißreiche Heucobs oder Esparsette. 

Biologisch hochwertige Eiweißlieferanten und essentielle Aminosäuren – ideal bei Mehrbedarf und Mangel in der Ration

Des Weiteren kann die Ration durch natürliche Eiweißträger aufgewertet werden, ebenfalls ist die Ergänzung von essentiellen Aminosäuren ratsam. Einer der klassischen Eiweißergänzer in der Pferdefütterung ist Sojaextraktionsschrot, welches ein sehr gutes Aminosäurenmuster (gute Versorgung an essentiellen Aminosäuren) enthält und ca. 450 g Rohprotein je kg liefert. Leider hat Sojaextraktionsschrot einen höheren Anteil an Stärke, so dass bei stoffwechselempfindlichen Pferden Sojabohnenproteinkonzentrat zum Einsatz kommen kann, welches Rohproteinwerte von ca. 650 g enthält sowie Zucker- und Stärkegehalte deutlich unter 10 %. Ebenfalls kommt Leinkuchen mit ca. 300 g Rohprotein je kg zum Einsatz, Hanfkuchen mit ebenfalls ca. 300 g Rohprotein. Eine weitere sehr hochverfügbare Eiweißquelle mit sehr hohen Proteingehalt von ca. 760 g je kg ist Molkenproteinkonzentrat. Dieses enthält dazu kaum Energie und ein sehr gutes Aminosäurenmuster. Auch kann Erbsenproteinisolat zum Einsatz kommen, welches einen Proteingehalt von ca. 750 g je kg enthält, jedoch bei einigen Pferden zu Blähungen führen kann. Einen hohen Eiweißgehalt mit ca. 800 g je kg weist Kartoffeleiweiß auf. Dieses hat zwar ein gutes Aminosäurenmuster, kann aber antinutritive Substanzen enthalten und deshalb auch nur in kleineren Mengen verfüttert werden. Die Aufnahme kann problematisch sein. Die Pferde in unserem Versuchsstall haben es schlecht aufgenommen. 

Die Ergänzung mit qualitativ hochverdaulichen Eiweißträgern mit einem hohen Gehalt an essentiellen Aminosäuren ist für viele Pferde zu empfehlen. Ebenfalls die direkte Zugabe von essentiellen Aminosäuren. 

Und was ist mit dem viel gefürchteten Eiweißüberschuss?

Ein Eiweißüberschuss von mehr als das 2 bis 3 fache des Tagesbedarfs kann langfristig schädlich sein. Denn überschüssiges Eiweiß muss entgiftet werden und belastet Leber und Niere. In der Praxis kommt dies vor allem im Frühjahr bei der Fütterung von reichlich jungem Gras vor oder bei 24 h Weide und sehr üppigem Grasbewuchs. Auch wenn Heu sehr eiweißreich ist (z.B. vor der Blüte geschnitten, 2. Schnitt Heu) und reichlich Kraftfutter eingesetzt wird, kann ein Eiweißüberschuss belastend wirken.

Heutzutage treffen wir in der Beratung aber viel häufiger den Mangel an Eiweiß und essentiellen Aminosäuren an, als den Eiweißüberschuss. 

Deshalb haben wir schon vor vielen Jahren in unsere Mikronährstoffpräparate einen hohen Anteil an den essentiellen Aminosäuren Lysin, Methionin und Threonin integriert und sind absolut überzeugt von der Wichtigkeit der Supplementierung dieser Aminosäuren in der Fütterungspraxis. Mehr dazu finden Sie hier: Complex 711 und OrthoBalance.

Für eine zusätzliche und effektive Versorgung mit hochqualitativen Eiweißquellen angereichert mit essentiellen Aminosäuren zur Aufwertung der Ration bei Mehrbedarf an hochverfügbarem Eiweiß und essentiellen Aminosäuren bzw. bei eiweißarmem Grundfutter bieten wir MuskelAmino Komplex an. Dieses Präparat ist zucker- und stärkereduzierte und somit auch bestens geeignet für Pferde mit Problemen im Muskel- oder Zuckerstoffwechsel: MuskelAmino Komplex.