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Physiologische Ernährung von Spezialrassen – Quarter Horse

Rassebedingte Besonderheiten

Ouarter Horse sind in der Regel sehr leichtfuttrige Pferde, die genetisch bedingt eine stark ausgeprägte Muskulatur aufweisen.


Dazu hin haben diese Pferde oft sehr kleine Hufe, so dass der Hufgesundheit ein besonderes Augenmerk geschenkt werden sollte. In einer physiologischen Ernährung ist es eine Grundvoraussetzung, diese rassebedingten Besonderheiten durch spezielle nutritive Maßnahmen zu unterstützen, die wir Ihnen gerne nachfolgend aufführen wollen. Um eine physiologische Ernährung zu ermöglichen, schauen wir uns die einzelnen Bereiche der physiologischen Ernährungspyramide an:

1. Grundfutter

Wie bei allen Pferderassen, basiert eine gesunde Ernährung auf eine ausreichende Menge qualitativ hochwertigem Heu (bzw. während der Weidesaison Gras). Ohne eine ausreichende Menge an qualitativ einwandfreiem Grundfutter kommt es immer zu Einschränkung in der Gesunderhaltung, die durch die permanente Störung des Magen-Darm-Traktes und somit des gesamten Stoffwechsel begründet liegen. 
Probleme in der Praxis:

Praxisproblem: Zu wenig Heu?

Verwenden Sie Heucobs, Heuflakes. Luzerne oder anderen Heuersatz, um die optimale Grundfuttermenge zu ergänzen.

Nährstoffarmes Heu?

Als faserreiche Pflanze eignet sich die Luzerne hervorragend die Grundfutterration aufzuwerten (siehe Krippenfutter).

Schlechte hygienische Heuqualität


Hier muss eindeutig angegeben werden, dass verschimmeltes oder anderweitig hygienisch bedenkliches Heu (leider heute oft anzutreffen) nicht an Pferde verfüttert werden darf. Hier entstehen u.a. ernsthafte Magen-Darm-Erkrankungen und massive Leberschäden. Falls kein anderes Heu erhältlich ist, Heuersatz einsetzen. Immer in Kombination mit hygienisch einwandfreiem Stroh, um den Strukturanteil zu erhöhen und die Futteraufnahmezeit zu verlängern.

2. Krippenfutter

Quarter-Horse haben deutlich mehr Muskulatur als andere Pferderassen und diese Muskulatur verlangt u.a. eine ausgewogene und hochwertige Versorgung mit wertvollem Eiweiß (Aminosäuren). Als sehr rohfaserreiche und verdauungsfreundliche Futterpflanze, die ein hochwertiges und gut verwertbares Eiweiß enthält, ist die Luzerne zu erwähnen. Diese eignet sich hervorragend als Heuaufwertung und Krippenfutter für Quarter-Horse und andere stark bemuskelte Rassen.

Empfindliche Reaktionen auf Getreide

Aus unserer Praxiserfahrung ist eindeutig festzustellen, dass Quarter-Horse oft empfindlich auf Getreide reagieren (Neigung zu Hufrehe, Kolik, Kreislaufproblemen, Müdigkeit und Muskelverspannungen, PSSM). Je nach Futterverwertung, Alter und Arbeitseinsatz ist also durchaus eine Krippenfütterung ohne Getreide basierend auf unmelassierten Zuckerrübenschnitzel (ähnliche Energiewerte wie Hafer) und Luzerne möglich. Wird Getreide vertragen und brauchen die Pferde mehr Energie für schnellverfügbare Muskelarbeit so empfiehlt sich Luzerne mit Hafer, Maisflocken und/oder Gersteflocken zu ergänzen.

Vorsicht in der Praxis

Wir beobachten oft bei Quarter-Horse Fettansammlungen im Bereich der Hinterhand und am Bauch, die oft für Muskulatur gehalten werden. Da Übergewicht bei genetischer Veranlagung das Risiko an EMS (Equinem Metabolischen Syndrom) zu erkranken erhöht und die gesamte Gesunderhaltung stört, sollte hier unbedingt eine getreidefreie Krippenfütterung mit angepassten Mengen (auch an Grundfutter) eingehalten werden, um eine schonende Gewichtsabnahme zu ermöglichen. Oft wird der Fehler begangen, Pferde mit Kraftfutter zu überladen, weil diese nicht genügende Leistung zeigen, da z.B. Mikronährstoffe fehlen und/oder Pferde übergewichtig sind. Hier wäre die Reduktion bzw. Umstellung auf eine getreidefreie/getreidereduzierte Ernährung in Kombination mit einer nutritiven Mikronährstofftherapie der Weg zum leistungsstarken und vitalen Pferd. Manchmal ist also weniger mehr!
Ernährungsvorschlag für übergewichtige Pferde bei leichter Arbeit:

Futtermittel Menge pro Tag Anmerkungen
Heu
(ideal 1. Schnitt, nach der Blüte)
1,75 % des Körpergewichtes Auf mind. 3 Mahlzeiten pro Tag aufteilen, zur Nacht die größte Menge anbieten. Ideal Verwendung von engmaschigen Heunetzen.
Stroh
(nur wenn hygienisch unbedenkliche Qualität vorhanden)
2 kg
Luzernepellets 500 bis 1000 g Auf 2 Mahlzeiten pro Tag aufteilen. Je nach Hersteller in Wasser auflösen. Bei EMS Verdacht Heucobs oder unmelassierte Rübenschnitzel verwenden.
OrthoComplex 711
(hochwertiges Mineralstoffpräparat zur nutritiven Unterstützung bei einer getreidefreien bzw. getreidearmen Ernährung)
70 g pro Tag Liefert neben einer hochverfügbaren Mineralstoff- und Spurenelementversorgung wichtige Mikronährstoffe für die ausgeprägte Muskulatur (wie Vitamin E, Selen, Magnesium, Aminosäuren, Zink, Kupfer und B-Vitamine.
Kaltgepresstes Leinöl 30 ml pro Tag Liefert essentielle Fettsäuren, die wichtig für den gesamten Stoffwechsel, Haut- und Hufgesundheit sind.

3. Mikronährstoffe

Muskeln können ohne eine ausgewogene Nährstoffversorgung nicht optimal arbeiten. Dadurch wird ersichtlich, dass Quarter-Horse oder andere Rassen, die genetisch bedingt stärker bemuskelt sind, auch einen erhöhten Nährstoffbedarf haben, um diese Muskeln aufzubauen, zu erhalten und auch für die optimale Funktion dieser Muskulatur. In diesem Zusammenspiel sind besonders folgende Nährstoffe zu nennen:

VITAMINE

Vitamine steuern fast alle Körperfunktionen des Körpers und sind für Vitalität und Leistung unentbehrlich. Gerade in Bezug auf die Muskulatur ist Vitamin E zu nennen, welches eine synergetische Wirkung mit dem essentiellen Spurenelement Selen aufweist. Vitamin E ist der Begriff für eine Gruppe verschiedener Tocopherole, die von der Molekülverbindung miteinander verwandt sind. Vitamin E ist ein wirksames Antioxidans und schützt die fettähnliche Struktur der Zellmembrane vor dem Einfluss von freien Radikalen (=stark reaktionsfähigen Sauerstoffverbindungen). Ein Mangel an Vitamin E führt zu einem erhöhtem Sauerstoffverbrach im Gewebe (Muskulatur) und kann zu Schrumpfung und zu Schwächung der Muskeln führen. Bei einer starken Muskelausbildung ist auch mehr Vitamin E für die Funktion und Versorgung der Muskulatur notwendig, außerdem ist zu vermerken, dass die steigenden Oxidationseinflüsse aus der Umwelt (Luft- und Wasserverschmutzung, durch Pestizide und chemische Zusätze, Strahlungen, Stress), den Bedarf an Antioxidanzien wie Vitamin E (und auch Selen) erhöhen. Unterversorgungen an Vitamin E und Selen, die sich negativ auf Muskelfunktion und Vitalität auswirken, sind in der Praxis weit verbreitet. Oft werden Pferde mit Vitamin A und D3 überladen, da dies relativ billige Vitamine sind, Vitamin E kommt oft in zu geringen Mengen zum Einsatz, da dies auch ein relativ teures Vitamin ist.

AMINOSÄUREN

Aminosäuren sind die kleinsten Bausteine von Proteinen (Eiweiß). Heute kennen wir 23 Aminosäuren, aus denen Eiweiße aufgebaut werden, davon gibt es einige essentielle Aminosäuren, die also vom Körper nicht selbst hergestellt werden können, sondern über die Nahrung aufgenommen werden müssen. Alle Zellen des Körpers, genauso wie Hormone und Enzyme, bestehen aus Eiweiß. Somit ist es schnell ersichtlich, warum ein Eiweißmangel bzw. ein Mangel an essentiellen Aminosäuren dazu führt, dass z.B. nicht genügend Muskulatur „gebaut“ werden kann. Aber auch für sämtliche Stoffwechselreaktionen, zur Energiegewinnung und Entgiftung sind Aminosäuren notwendig, da diese wichtig für Enzyme sind und ohne Enzyme läuft im Körper gar nichts störungsfrei ab. Bei sportlichen Leistung steigt der Eiweißbedarf an, genauso wie während der Wachstums oder bei trächtigen Tieren. Leider ist es längst nicht mehr so wie weitläufig verbreitet, nämlich, dass Pferde hauptsächlich mit Eiweiß überversorgt werden. Dies kommt bei reichlich Weidegang vor oder beim Einsatz von reichlich Getreide. In der Praxis ist oft ein erheblicher Eiweißmangel bereits im Heu ersichtlich. Wird dann noch Getreide mit einem schlechten Aminosäurengehalt wie z.B. Mais eingesetzt, so ist es kein Wunder, wenn Eiweiß in der Nahrung oft ein begrenzender Faktor für die Vitalität und Leistungsbereitschaft der Pferde darstellt. In der Praxis ist deshalb der Einsatz von aminosäurenreichen Futtermitteln wie der Luzerne zu empfehlen (vor allem während der Wintermonate) und als Getreide Hafer dem Vorrang zu geben, da dieser nicht nur ein hochwertiges Eiweiß enthält, sondern auch noch ohne technische Verarbeitung gut verdaulich und bekömmlich ist. Bei getreidefreier Ernährung empfehlen wir den zusätzlichen Einsatz von essentiellen Aminosäuren (deshalb enthält unser hochwertiges Ergänzungsfuttermittel für die getreidefreie/arme Ernährung OrthoComplex 711 hochdosierte essentielle Aminosäuren). An dieser Stelle möchte ich Sie darauf hinweisen, dass die Ernährung immer ganzheitlich betrachtet werden muss, das zeigt uns schon wieder das Zusammenspiel von Eiweiß und Vitaminen, denn für eine optimale Eiweißaufnahme- und -verwertung braucht der Organismus viele andere Helfer wie z.B. Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente. D.h,. ist ein Mikronährstoffmangel vorhanden, dann hilft auch das beste Eiweiß nichts und umgekehrt.

MINERALSTOFFE

Bei den Mineralstoffen ist Magnesium eine wichtige Rolle für die Funktion von Nerven und Muskulatur zuzuordnen. Außerdem sorgt Magnesium für mehr psychische Ausgeglichenheit und Belastbarkeit. Im Heu sind zum Teil geringe Mengen enthalten, so dass es gerade bei getreidefreien Rationen (Getreide ist eine gute Magnesiumquelle) zur Unterversorgung kommen kann, die sich negativ in Muskelkrämpfen, Rittigkeitsproblemen oder Nervosität äußern kann. 
Phosphor ist außerdem ein Mineralstoff, der im Heu oft in geringen Mengen enthalten ist. Phosphorreich ist Getreide, so kann es also wiederum bei einer getreidearmen oder getreidefreien Fütterung zu Phosphormangel kommen, was auch zu starken Ungleichgewichten im Ca:P-Verhältnis führt. Luzerne ist z.B. genauso wie viele Heuersatzprodukte ein sehr calciumreiches Futtermittel. Füttert man also vermehrt Luzerne oder auch Heuersatz bei keinem oder nur wenig Getreide, so sollte unbedingt die Phosphorversorgung überdacht werden (auf diese Bedingungen ist die Phosphor – und Magnesiumversorgung im OrthoComplex 711 abgestimmt).
Natrium – beachten Sie, dass alle Pferdefuttermittel salzarm sind und anders als bei uns Menschen der Natriumbedarf des Pferdes durch die Ernährung nicht gedeckt wird, wenn kein Salzleckstein zur Verfügung gestellt wird. Vermehrt steigt der Bedarf durch Schweißabsonderung. Natriummangel kann u.a. zu Muskelproblemen, Lecksucht, Appetitlosigkeit und Leistungsschwäche führen. Deshalb immer Salzleckstein zur Verfügung stellen und nach dem Schwitzen Salz zufüttern.

SPURENELEMENTE

Wie bereits oben bei Vitamin E beschrieben, kommt es aufgrund von Selenmangel in den meisten Regionen Deutschlands zur starken Unterversorgung mit Selen. Da es die Zellmembrane der Muskulatur (Herz- und Skelettmuskulatur) vor schädlichen Peroxiden schützt kann eine Unterversorgung nicht nur die gesamte Immunologie schwächen, sondern zur Leistungseinschränkungen bis hin zur Muskelverhärtung und Lahmheit führen. Weiterhin ist ein Zinkmangel in Deutschland weit verbreitet und schränkt nicht nur die Muskelfunktion, sondern die körperliche Immunabwehr, Haut- und Haargesundheit sowie die Hufgesundheit ein. Spurenelemente sind nur in kleinsten Mengen (Spuren) für den Organismus notwendig, da diese aber eine gravierende Wirkung als Enzym im Stoffwechsel haben, wirkt sich ein Mangel oft stark einschränkend auf sämtliche Körperfunktionen aus.

Zusammenfassend …

Denken Sie bitte immer bei der Betrachtung der Mikronährstoffe daran, dass heutzutage nicht nur bei uns Menschen ein reduzierter Nährstoffgehalt in der Nahrung anzutreffen ist, sondern auch bei unseren Pferden. Zum einen haben wir definitiv nachweisbar oft starke Defizite im Bereich der Mineralstoffe (oft Phosphor und Magnesium) und Spurenelemente (oft Kupfer, Zink, Selen, Jod) im Grundfutter; dies zeigen uns Hunderte von Heuanalysen aus ganz Deutschland, die wir seit Jahren von unseren Kunden bekommen. Zum anderen zeigen sich oft erhebliche Mengen an Eisen im Grundfutter (antagonistische Wirkung zu anderen Spurenelementen, lebertoxisch, begünstigt Entzündungen). Zusätzlich problematisch sind hygienisch bedenkliche Futtermittel, Umweltbelastungen und oft viel Stress, denen unsere Pferde ausgesetzt sind und den Bedarf an wertvollen Mikronährstoffen erhöhen. Hierbei ist zu erwähnen, dass der unsinnige Einsatz von Mikronährstoffen ebenso eine Gefahr darstellt, wie die Unterversorgung. Kaum ein Laie kann hier den Überblick bewahren, deshalb steht Ihnen das Dr. Maroske Institut mit langjährigen Erfahrung in der Mikronährstofftherapie gerne zur Verfügung.