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Diätetik bei akuter Hufrehe

Hilfe im akuten Fall – Hufrehe

Die meisten Hufrehefälle (ca. 80 %) werden durch Störungen im Stoffwechsel (Zuckerstoffwechsel) ausgelöst.

Vereinfacht dargestellt löst die Insulinresistenz eine hohe Insulinausschüttung aus, die dann zur Hufrehe führt. Meist liegen Stoffwechselkrankheiten wie das Equine Metabolisches Syndrom (EMS) und/oder eine Equine Cushing Syndrom (ECS) vor. Bei ECS ist die Medikation in Absprache mit dem Tierarzt unumgänglich. Da die Insulinantwort im Körper stark von der Fütterung abhängig ist, sollte als Notfallmaßnahme eine spezielle Diätetik eingehalten werden, um die Insulinausschüttung zu reduzieren.
Nachfolgend deshalb unsere Ernährungsempfehlung zur unmittelbaren Entlastung und Unterstützung des Zuckerstoffwechsels (Reduzierung der Insulinausschüttung):

Vorschlag zur Diätetik bei akuter Hufrehe (Mengen pro Tag):

Ideales
Körpergewicht
des Pferdes
Heu (1. Schnitt
nach der Blüte)*
Stroh** Melassefreie
Rübenschnitzel
OrthoComplex 711 Kaltgepresstes
Leinöl***
Salz
200 kg 3 – 4 kg 0,5 kg 150 g 30 g (= 1,5 Messl.) 15 ml 5 g
300 kg 4,5 – 6 kg 1 kg 200- 250 g 45 g (= 2,25 Messl.) 20 ml 7,5 g
400 kg 6 – 8 kg 1,5 kg 300 – 350 g 60 g (= 3 Messl.) 25 ml 10 g
500 kg 7,5 – 10 kg 2 kg 400 – 500 g 70 g (= 3,5 Messl.) 30 ml 12,5 g
600 kg 9 – 12 kg 2,5 kg 500 – 600 g 80 g (= 4 Messl.) 35 ml 15 g
700 kg 10,5 – 14 kg 3 kg 600 g 90 g (= 4,5 Messl.) 40 ml 17,5 g

 

* Heumengen auf mind. 3 Mahlzeiten pro Tag aufteilen und am besten zur Erhöhung der Fresszeiten engmaschige Heunetze einsetzen. Füttern Sie nur zuckerreduziertes Heu mit einem Gehalt an Zucker + Stärke unter 10 %. Wenn der Zuckergehalt nicht durch Heuanalyse bekannt ist, ist es dringend anzuraten das Heu zu waschen. Legen Sie das Heu genau eine Stunde ins Wasser. Dadurch wird der Zuckergehalt um ca. 30 % reduziert. Das Wasser nach Gebrauch wegschütten. Das Heu kann immer bis zu 24 h vor der Fütterung vorbereitet werden, so ist diese Maßnahme einfacher in der Praxis umzusetzen. Das Heu nach dem Wässern gut abtropfen lassen, damit die Aufnahme gewährleistet wird. Bei der Heumenge geben wir Ihnen eine Spanne an, da Heu sehr unterschiedlich vom Nährstoffprofil sein kann und es darauf ankommt ob das Pferd abnehmen muss oder nicht. Ist das Pferd zu dick, dann verwenden Sie den ersten Zahlenwert der Gewichtsklasse im Empfehlungsplan. Ist das Pferd normal und hat kein Übergewicht, dann können Sie den höheren Zahlenwert der Angabe verwenden.
**Stroh nur einsetzen, wenn hygienisch gutes Stroh zur Verfügung steht und keine Empfindlichkeit der Atemwege vorliegt und Sie genau wissen, dass das Stroh ausgedroschen ist und keine Körner mehr enthält.
***alternativ kann auch sehr gut frisch gemahlener Leinsamen eingesetzt werden. Hier geht es in der Diätetik darum ein passendes Verhältnis an Omega 3 : Omega 6 Fettsäuren von ca. 4: 1 zu liefern, wie im Gras vorhanden, da während der Diät kein Gras gefüttert werden darf. Außerdem sind diese Fettsäuren wichtig zur unterstützenden Regulation des Zuckerstoffwechsels. Wenn Sie frisch gemahlenen Leinsamen verwenden möchten, dann bitte ca. 45 g gemahlener Leinsamen pro 250 kg Körpergewicht des Pferdes. Bei diesen kleinen Mengen muss der Leinsamen nicht gekocht werden.

Wichtige Anmerkungen:

Melasssefreie Rübenschnitzel: Die empfohlenen Futtermengen sind Trockengewichte. Unser Ziel ist es mit der oben genannten Diätetik den Zuckerstoffwechsel möglichst stark zu entlasten und die Insulinausschüttung zu reduzieren, damit es dem Pferd besser geht. Wir brauchen dafür Futtermittel mit Zucker- und Stärkewerten von unter 10 % (möglichst 0 % bis max. 1 % Stärke). Empfehlenswert sind folgende melassefreie Rübenschnitzel: KwikBeet von Dodson & Horrell oder Speedi-Beet von Pavo. Beide müssen ca. 10 bis 15 Minuten in Wasser aufquellen, damit es zu keiner Schlundverstopfung kommt. Beide empfohlene Rübenschnitzelsorten enthalten 5 % Zucker und 0 % Stärke und zählen somit zu den zuckerärmsten Futtermitteln im Bereich des Krippenfutters. Dadurch ist eine Entlastung des Zuckerstoffwechsels gegeben. Alternativ können auch Heucobs eingesetzt werden. Dabei aber immer darauf achten, dass diese nicht mehr als 10 % Zucker + Stärke enthalten. Umso weniger Stärke um so besser. An dieser Stelle möchte ich noch die Luzerne erwähnen. Luzerne ist immer zuckerarm, kann aber Mengen von bis zu 5 % Stärke enthalten. Aufgrund des höheren Stärkegehaltes kann es bei Pferden mit Hufrehe zu Problemen mit Luzerne kommen.

Absolut Tabu ist Gras!

Füttern Sie keine Leckerlis, Gemüse, Obst, Getreide und auch kein Mischfutter. Mischfutter enthält oft Komponenten die an sich höhere Zucker- und Stärkegehalte enthalten, als diese empfindlichen Pferde verstoffwechseln können und erhöhen dadurch wiederum die Insulinausschütterung. Mischt man dann verschiedene Komponenten zusammen ergibt sich vielleicht der empfohlene Wert von Zucker + Stärke unter 10 %, aber es sind eben einzelne Futtermittel im Mischfutter enthalten, die diese Anforderung nicht erfüllen und dem Pferd dann massive Probleme machen können. Es ist also wichtig, dass alles was gegeben wird auch in geringsten Mengen keine höheren Zucker- + Stärkegehalte als 10 % aufweist.