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Magengeschwüre beim Pferd

Magengeschwüre betreffen sehr viele Pferde. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass fast 60 % der Sportpferde davon betroffen sind. Wenn man jetzt denkt, dass hauptsächlich Leistungspferde an Magengeschwüren leiden, irrt man sich gewaltig – viele Freizeitpferde (ca. 30 %) und sogar schon Fohlen (25 bis 50 %) haben mit Magengeschwüren zu kämpfen. In diesem Artikel möchten wir den Ursachen dafür auf den Grund gehen und aufzeigen, welches Symptome auftreten und wie man mit einer Optimierung der Haltungs- und Fütterungsbedingungen dem Problem begegnen kann.

Anatomie und Besonderheiten des Pferdemagens

Der Magen des Pferdes ist verhältnismäßig klein und fasst ca. 15-20 l Volumen bei einem Pferd von durchschnittlicher Größe. Durch Zusammenziehen der Magenmuskulatur wird der Nahrungsbrei mit Verdauungssäften durchtränkt und vorwärtsbewegt. Die Verweildauer des Futters im Magen ist relativ kurz – somit ist das Pferd auf eine mehr oder weniger ständige Nahrungsaufnahme angewiesen. Diese Verweildauer im Magen wird einerseits durch die Partikelgröße des Nahrungsbreis bestimmt und andererseits vom Verhältnis löslicher Kohlenhydrate wie Zucker und Stärke zu unlöslichen Kohlenhydraten wie z.B. Cellulose. Getreide und nicht faserhaltige Futtermittel werden schneller aufgenommen, dadurch wird die Magenpassage beschleunigt und der Magen ist in Folge schneller wieder leer. Auch verursacht Getreide eine höhere Ausschüttung des Hormons Gastrin, welches wiederum die Produktion von Magensäure und anderen Verdauungssäften anregt. Faserhaltige Futtermittel, wie z.B. Heu, haben eine längere Verweildauer im Magen und können dadurch eine größere Menge an produzierter Säure absorbieren. Eine weitere Besonderheit ist noch, dass Magensäure beim Pferd ständig produziert wird und nicht durch einen Futterreiz ausgelöst wird. Man muss sich den Pferdemagen wie einen zweigeteilten „Sack“ vorstellen. Der vordere Teil ist drüsenlos und von einigen Mikroorganismen besiedelt. Hier findet eine geringgradige mikrobielle Aufspaltung von leicht verdaulichen Kohlenhydraten (Einfachzucker, Stärke) statt. Im hinteren Magenbereich befinden sich Drüsen, die in der Schleimhaut eingelagert sind und Magensaft produzieren. Der Magensaft besteht aus Salzsäure und Pepsin (Enzym zur Aufspaltung von Eiweiß). Ebenso ist die Schleimhautschicht im hinteren Bereich sehr dick, was den Magen vor Selbstverdauung schützen soll. Ein wichtiger Gegenspieler zur Magensäure ist das im Pferdespeichel vorkommende Bikarbonat. Man muss sich das wie eine Waage vorstellen, bei der die Anteile an Magensäure und Bikarbonat sich im Gleichgewicht halten. Bikarbonat wirkt also wie ein Säurepuffer, der bewirkt, dass immer noch genügend Säure für den Verdauungsvorgang vorhanden ist, aber so viel abgepuffert wird, dass keine Überschüsse entstehen, die die Schleimhäute reizen können. Wenn jetzt das Futter nicht ausreichend gekaut und eingespeichelt wird, kommen gleich 2 Faktoren zusammen, die zu Magenproblemen führen können. Zum einen gelangen durch nicht ausreichendes Kauen (z.B. aufgrund von Zahnproblemen) zu große Futterpartikel in den Magen, was die Verdauung insgesamt verlangsamen kann, zum anderen wird der Nahrungsbrei nicht ausreichend mit Magensäure durchtränkt, sodass ein Überschuss an nicht benötigter Magensäure entsteht, der in den drüsenlosen Teil des Magens gelangt und dort auf Dauer die empfindliche Schleimhaut reizen kann und zu schwerwiegenden Problemen wie z.B. Magengeschwüren führen kann. Ebenso findet keine ausreichende Keimabtötung im Nahrungsbrei statt, sodass diese Keime in den weiteren Verdauungstrakt gelangen können. Eine ausreichende Kautätigkeit mit genügend Speichelproduktion wird nur durch die Fütterung von Raufutter erreicht. Pferde brauchen ungefähr das Vierfache an Zeit und produzieren dabei 5-6 mal mehr Speichel beim Fressen von 1 kg Heu im Vergleich zu 1 kg Kraftfutter.
Zusammenfassend kann man sagen, dass Magenprobleme immer dann auftauchen, wenn die protektiven Faktoren in der Unterzahl und die reizenden Faktoren in der Überzahl sind.

Ursachen für Magengeschwüre:

Stress

Stress ist der Hauptfaktor, der Magengeschwüre auslöst. Stressfaktoren können z.B. häufige Transporte und Stallwechsel sein, sportliche Wettkämpfe, Haltungsfehler wie z.B. eine nicht harmonische Offenstallhaltung bei zu wenig Platzangebot oder ein ungeliebter Boxennachbar, übermäßiges Training, aber auch eine nicht passende Ausrüstung, die dem Pferd Schmerzen bereiten. Bei Stress kommt es zu einem Anstieg des Cortisolspiegels und es wird vermehrt Magensäure gebildet.

Zu lange Fresspausen

Das Pferd hat sich zwar im Laufe vieler Jahre durch Züchtung äußerlich verändert, die Besonderheiten bei der Verdauung sind aber geblieben. Unter natürlichen Bedingungen wäre das Pferd bis zu 18 h mit der Nahrungsaufnahme beschäftigt. Die gängige Praxis in Pensionsställen sieht oftmals so aus, dass es häufig nur eine 2 – 3 malige Heuzuteilung pro Tag gibt, was zu unnatürlichen langen Fresspausen führt, wenn zu kleine Mengen an Heu gefüttert werden. Dadurch kann Magensäure in den drüsenlosen oberen Teil des Magens aufsteigen und dort die ungeschützt vorliegende Schleimhaut schädigen, was die Entstehung von Magengeschwüren begünstigt, vor allem wenn die Nahrungskarenzen 4-6 Stunden übersteigen.

Fütterungsfehler

Zu wenig Raufutter und zu hohe Mengen an getreidehaltigem Kraftfutter (zu hohe Stärkeaufnahme). Durch hohe Getreide- und Kraftfuttermengen wird die mikrobielle Aktivität im oberen Magenabschnitt erhöht, was zu einer vermehrten Bildung von flüchtigen Fettsäuren sowie Gasen führt, welche die Magenschleimhaut innerlich angreifen können. Ebenso wird der Nahrungsbrei bei Kraftfutter fester, da er den Magensaft kaum aufsaugen kann, was zu einer verzögerten Weitergabe in den Dünndarm führt und sogar die Temperatur im Magen erhöhen kann, was wiederum eine Vermehrung von Bakterien begünstigen kann.

Falsche oder verdorbene Futtermittel und Medikamente

Durch verdorbene Futtermittel kommt es zu einer erhöhten Gasbildung vor allem im oberen, drüsenlosen Bereich des Magens. Scharfkantige oder sehr harte Futtermittel (wie z.B. verholzte Stängel im Heu) oder unaufgeschlossene, ganze Gersten- und Maiskörner können den Verdauungstrakt auch mechanisch reizen und zu Schleimhautläsionen führen. Auch fehlgegorene Silage oder die Aufnahme einer größeren Menge von Eicheln oder Bucheckern, die viel Gerbsäure enthalten, sowie die Gabe von Schmerzmitteln können die Entstehung von Magenproblemen begünstigen.

Zahnprobleme

Zahnprobleme führen zu Kaubeschwerden oftmals verbunden mit Schmerzen, was einerseits zu einer Fressunlust des Pferdes führen kann, und andererseits dazu führt, dass Futter nicht ausreichend gekaut wird. Dabei kommt es zu einer reduzierten Speichelbildung und es gelangen zu große Futterpartikel in den Verdauungstrakt.

Symptome, die auf Magenprobleme hindeuten können

Leider sind die Symptome für Magenprobleme sehr unspezifisch und je nach Pferd auch individuell unterschiedlich. Umso wichtiger ist es, sein Pferd genau zu beobachten, um Verhaltensveränderungen frühzeitig zu erkennen. Mögliche Anzeichen können sein:

  • häufiges Gähnen und Leerkauen
  • Zähneknirschen
  • Durchfall und Kotwasser
  • Widersetzlichkeit beim Satteln und Aufsitzen
  • reduzierter Appetit
  • Gewichtsverlust
  • häufige Unterbrechungen bei der Aufnahme von Kraftfutter, um vermehrt zu trinken
  • aufgezogener Bauch und häufige Koliken unterschiedlicher Schweregrade
  • zögerliches Bergabgehen und vermehrte Triebigkeit
  • plötzliche Verhaltensänderungen wie Absonderung von Artgenossen oder vermehrte Aggression gegenüber anderen Pferden
  • verminderte Leistungsbereitschaft mit schwerer Atmung und schnellem Schwitzen

Welche Möglichkeiten der Unterstützung bietet die Ernährung?

Je nach Schweregrad der bestehenden Probleme kann eine medikamentöse Therapie notwendig sein. Darüber hinaus gibt es noch eine Vielzahl von Wirk- und Nährstoffen, die therapiebegleitend eingesetzt werden können, wie z.B. Pektine, Süßholwurzel, β- Glucane, Süßholzwurzel, Lecithin oder Magnesium- und Calciumverbindungen.

Pektine

Pektine sind pflanzliche Polysaccharide, leicht verdaulich und mit einem positiven Effekt auf die Darmflora, indem sie die „guten“ Darmbakterien fördern. Im vorderen Verdauungstrakt, wie dem Magen, sind Pektine stabil und bilden somit in Verbindung mit Flüssigkeit eine schützende Schicht auf den Schleimhäuten, was sich einerseits positiv auf bereits bestehende Entzündungen auswirken kann und andererseits das Anhaften von pathogenen Keimen erschweren kann.

β- Glucane

β- Glucane sind Polysaccharidverbindungen, die in den Zellwänden von Getreide, Bakterien und Pilzen vorkommen. Sie bilden im Verdauungstrakt eine natürliche gelartige Schicht, welche z.B. die Magenschleimhaut vor der Magensäure schützt. β- Glucane haben darüber hinaus noch einen positiven Effekt auf das Immunsystem.

Süßholzwurzel

Süßholzwurzel enthält Saponine, Flavonoide und ätherische Öle und besitzt antivirale, antibakterielle, sekretlösende und schleimhautschützende Eigenschaften und findet ihren Einsatz sowohl bei Problemen der oberen Atemwege als auch bei Beschwerden im Magen-Darm-Trakt des Pferdes.

Lecithin

Lecithine sind die Bausteine aller Zellmembrane und wichtig für Zellneubildung und Zellregeneration.

Magnesium- und Calciumverbindungen

Wirken als Säurepuffer, was der Entstehung von Magengeschwüren entgegenwirken und den pH-Wert im Magen harmonisieren kann.

In unserem Produkt MagenSensitiv vereinen wir eine Kombination dieser bewährten Wirk- und Nährstoffe zur therapiebegleitenden nutritiven Unterstützung bei bestehenden Magenproblemen. Darüber hinaus gilt es auch bei der Grundfütterung einige Faktoren zu beachten und ggf. zu optimieren, um das Entstehen von erneuten Problemen vorzubeugen.

Tipps für eine „magenfreundliche“ Fütterung:

  • die tägliche Heumenge sollte einen Mindestwert von 2 kg pro 100 kg Körpergewicht nicht unterschreiten, sofern es der Ernährungszustand des Pferdes zulässt, eine ad libitum Fütterung von Heu wäre ideal
  • muss das Heu rationiert werden, weil das Pferd zu Übergewicht neigt, empfiehlt sich die Fütterung aus z.B. engmaschigen Heunetzen um die Fressdauer zu verlängern. Dabei sollte Heu über den Tag verteilt in mehreren kleinen Mengen angeboten werden und die größte Heumenge zur Nacht gegebene werden
  • Fresspausen zwischen den einzelnen Mahlzeiten sollten 4-6 Stunden nicht überschreiten
  • Luzerne ist ein besonders magenfreundliches Futtermittel, da es einen hohen Gehalt an Calcium hat, welches die Magensäure neutralisieren und die Magenschleimhaut vor weiteren Reizungen schützen kann
  • Heulage und Silage sind aufgrund des Gärungsprozesses saure Futtermittel und sollten bei magenempfindlichen Pferden nicht zum Einsatz kommen
  • füttern Sie nur hygienisch einwandfreie Futtermittel
  • erhält das Pferd Getreide als Krippenfutter, sollten die Mengen auf mehrere kleineren Mahlzeiten pro Tag aufgeteilt werden und aus hochverdaulichen Bestandteilen bestehen z.B. hydrothermisch aufgeschlossen in Flockenform (Hafer ist für den Magen am bekömmlichsten); bitte vor der Kraftfuttergabe eine Portion Heu füttern, um die Speichelbildung anzuregen und somit die Abpufferung von Magensäure zu unterstützen

Über die Fütterung hinausgehende Tipps für „Magenkandidaten“

  • Stress und Futterneid während den Fresszeiten sollten vermieden werden
  • lebt das Pferd im Offenstall sollten genügend Fressplätze zur Verfügung stehen, damit auch rangniedere Pferde in Ruhe fressen können
  • 2 Stunden vor dem Training sollte kein Kraftfutter gefüttert werden
  • überfordern Sie Ihr Pferd nicht im Training und bauen Sie genügend Erholungszeiten ein

Es stehen also jede Menge Möglichkeiten zur Verfügung Magenprobleme vorzubeugen.