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Eisen 


Eisen richtig dosiert

Eisen zählt zur Gruppe der Spurenelemente und ist für die Blutbildung, Sauerstoffversorgung der Organe und als Bestandteil von Enzymen unerlässlich.


In der Pferdefütterung ist die Versorgung mit Eisen bei erwachsenen Pferden in der Regel gedeckt. Aus unserer langjährigen Praxiserfahrung ist die Problematik einer Überversorgung viel häufiger anzutreffen und eine Unterversorgung, außer beim Fohlen, in der Praxis selten vorhanden.
Betrachten wir Durchschnittswerte von Eisen in den gängigen Futtermitteln, so wird schnell klar, dass der Bedarf meist schon über die Grundfütterung abgedeckt ist.

Eisengehalte in mg je kg TS

Eisen
Heu 1. Schnitt 45-2682 Diese Mittelwerte wurden 2014 von der LUFA Nord-West veröffentlicht und decken sich mit unseren Werten aus 100erten Heuanalysen der letzten Jahre
Weidegras mäßig gedüngt 225 Nach DLG Futtermitteltabellen
(Wert unterliegt großen Schwankungen)
Hafer 65
Luzerneheu 250
Melasse 150
Weizenkleie 170
Empfehlungen zur täglichen Versorgung mit Eisen für Pferde mit 500 kg:
NRC 2007
Erhaltung: 400 mg Eisen
Arbeit: 500 mg EisenGfE 2013:
Erhaltung: 423 mg
Eisen
Arbeit: 423 mg Eisen

 

NRC 2007 spricht eine Empfehlung von 80 mg Eisen je 100 kg Körpergewicht des Pferdes pro Tag aus. Diese Eisenversorgung wird über das natürliche Pferdefutter bereits abgedeckt.

Ein Rechenbeispiel

Gehen wir davon aus, dass das Heu 200 mg Eisen je kg enthält (das sind Werte die häufig vorkommen) und ein 500 kg schweres Pferd am Tag 10 kg Heu aufnimmt. So wird bereits über das Heu 2.000 mg Eisen aufgenommen. Der tägliche Bedarf liegt laut NRC 2007 für ein 500 kg schweres Pferd bei 400 mg pro Tag. Das heißt der Bedarf ist bereits über das Grundfutter 5 fach gedeckt. Selbst wenn wir minimale Gehalte von 50 mg Eisen je kg Heu annehmen (solch niedrige Werte sehen wir in Heuanalysen so gut wie nie), dann wäre die Eisenversorgung bei 10 kg Heu immer noch ausreichend.

Wann besteht erhöhter Eisenbedarf?

Nun kann es natürlich zu einem erhöhten Eisenbedarf kommen, wenn Pferde vermehrt Blut verlieren, wie z.B. nach einer Verletzung oder auch bei Durchfallerkrankung. Generell können wir aber davon ausgehen, dass dies selten der Fall ist und die Problematik einer Überversorgung an Eisen in der Praxis weitaus häufiger vorkommt. Auch durch Schweißverluste erhöht sich der Eisenbedarf nur wenig. Ein 500 kg schweres Pferd braucht selbst bei schwerer Arbeit nur 500 mg Eisen pro Tag.

Eisen-Zufuhr gezielt steuern 
Viel häufiger weisen Heuanalysen Eisenwerte von über 500 mg je kg auf und auch Werte von über 1000 mg pro kg Heu sind nicht selten. Wenn wir davon ausgehen, dass im Heu bereits 600 mg Eisen je kg enthalten ist und ein 500 kg schweres Pferd 10 kg Heu pro Tag aufnimmt, liegt die Versorgung über das Heu bereits bei 6.000 mg Eisen am Tag. Dies ist mehr als das 10-fache der Bedarfsempfehlung und aus unserer Sicht bereits als kritisch zu sehen. Hier noch zusätzlich Eisen zu verabreichen, wäre mehr als unsinnig, da der bereits existierende Überschuss noch verschlimmert wird.

Eisenintoxikation

Folgen überhöhter Eisenzufuhr

Werden Spurenelemente wie Eisen in zu hohen Mengen aufgenommen kann dies dazu führen, dass

  • eine subtoxische Wirkung oder
  • eine toxische Wirkung

entsteht.

Wechselwirkungen

Gerade die langfristige Aufnahme stark überhöhter Mengen an einzelnen Spurenelementen sind hierbei von Bedeutung. Hierdurch wird der homöostatische Regulationsmechanismus überfordert und es kann eine Anreicherung des Elementes direkt im Gewebe (z.B. in der Leber) stattfinden und auch die Verwertung von anderen essentiellen Spurenelementen oder Mineralstoffen wird verhindert. Somit kann es zu Mangelsymptomen an den verdrängten Elementen kommen. Diese Wechselwirkung (Antagonismus, Interaktion) herrschen zwischen Eisen, Mangan, Zink, Kupfer und Phosphor.

Eisen Interaktion mit
Kalzium Phosphor Zink Kupfer Mangan

Gerade Elemente wie Zink und Kupfer sind für die Entgiftung und Leberfunktion sowie für die Bekämpfung von Entzündungen unerlässlich. Auch Veränderungen im Glukosestoffwechsel können durch Mangel an diesen Elementen begünstigt werden. Des Weiteren sind Zink und Kupfer wichtig für die Prädisposition gegenüber Arthritis und für die Bänder- und Sehnenstabilität. Eine zu hohe Aufnahme an Eisen kann somit schon ein Problem darstellen, da es Elemente wie Zink, Kupfer, Mangan, Kalzium oder Phosphor verdrängen kann. Diese Verdrängung kann zu Mangel an den oben genannten lebenswichtigen Mikronährstoffen führen. Dadurch wird eine Unterversorgung mit all seinen Auswirkungen begünstigt. Bei uns Menschen ist dieser negative Effekt von Eisenüberladung bekannt und wissenschaftlich belegt.

Grundfutter mit hohen Eisenmengen als Krankheitsursache

In der Fütterungspraxis kommen im Grundfutter oft sehr hohe Eisenmengen vor. So ist es keine Seltenheit, in Heuanalysen Mengen von über 500 mg Eisen je kg Heu TS zu finden und auch Werte von über 1.000 mg je kg Heu TS sind möglich. Anders als bei anderen Elementen ist bekannt und auch wissenschaftlich nachgewiesen, dass es zu einer Eisenintoxikation beim Pferd kommen kann. Unter einer Intoxikation versteht man, dass Eisen toxisch also eine schädliche und gifte Wirkung auf das Pferd hat, wenn zu hohe Mengen aufgenommen werden.

Eisenzufuhr prüfen – Risiken ausschließen

Bereits im Jahre 1981 konnte wissenschaftlich gezeigt werden, dass Eisen toxisch beim Pferd reagieren kann. Eine stark eisenhaltige Vitaminergänzung führte bei erwachsenen Pferden zum Ikterus (Gelbsucht), Lebernekrose und bis zum Tod (Arnbjerg, 1981).

Generell sind für Nutztiere meist tolerierbare Werte von bis zu 500 mg Eisen je kg Futter Trockensubstanz angegeben (Kirchgeßner, 1997). Tolerierbare Gehalte an Eisen in Pferderationen wurden von NRC bis 2007 mit 500 mg Eisen je kg TS angegeben, in der neueren Ausgabe der NRC 2007 ist die maximal tolerierbare Grenze mit 1.000 mg Eisen je kg TS (NRC 2007) benannt. Meyer und Coenen 2014 weist auf tolerierbare Grenzen von 500 bis 1.000 mg je kg TS hin. Hier ist immer auch zu berücksichtigen in welcher gesundheitlichen Verfassung sich das Pferd befindet, wie alt das Tier ist, in welchem Leistungsstadium und auch wie hoch die Versorgung mit den anderen essentiellen Spurenelementen ist. Empfindliche Pferde werden sicherlich hohe Eisengehalte schlechter kompensieren können als gesunde Tiere, dies beobachten wir im Dr. Marokse Institut seit Jahren in der Praxis. Auch Dr. Kellon, eine Tierärztin in den USA, die sich seit Jahren mit stoffwechselkranken Pferden beschäftigt, warnt vor zu hohen Eisenwerten in der Pferdefütterung und weist darauf hin, dass Eisen mitverantwortlich sein kann bei der Entstehung und Entwicklung zahlreicher Erkrankungen.

Eisenüberladung führt bei Mensch und Tier zu Schäden und Störungen

Bei uns Menschen liegen zahlreiche Untersuchungen vor, dass Eisen in zu hohen Mengen zu Infekten führen kann. Die Rolle der Eisenüberladung des Körpers als Risikofaktor zur Entstehung einer Insulinresistenz konnte beim Menschen nachgewiesen werden (Fernandez-Real et al., 2002; Jehn et al., 2004). Leberschäden oder Störungen der Leber in Bezug als Folge von Eisenüberlastung sind ebenfalls beim Menschen erwiesen sowie Probleme mit Sehnen, Bändern und Arthritis.
Bei anderen Spezies wie Vögeln, Delfinen, Nashörnern konnten diese gesundheitlichen Probleme von Eisen ebenfalls festgestellt werden. Sehr interessant ist eine Studie die an 16 Pferden durchgeführt wurde und gezeigt hat, dass es Zusammenhänge zwischen dem Eisengehalt im Körper und einer Insulinresistenz gibt (Nielsen et al. 2012).

Regulierung der Eisenwerte zur Gesunderhaltung und Vitalitätssteigerung

Wir können bei zahlreichen Pferden seit Jahren beobachten, dass eine hohe Aufnahme von Eisen (Heuanalysen mit Eisenwerten von mehr als 500 mg je kg TS) häufig zu sichtbaren Veränderungen am Pferd führt. So zeigen diese Pferde oft rote Spitzen an Mähnen und Schweif, ein ausgebleichtes Fell und häufig liegt auch eine Neigung zu Hufproblemen (z.B. Abszessen) und Stoffwechselproblemen vor.
Weitere Untersuchungen in Bezug auf die Eisenversorgung beim Pferd und die Risiken einer Eisenüberladung sind sicherlich erforderlich. Aus unserer Erfahrung ist die Vermeidung einer Eisenüberladung ein effektiver Faktor, die Vitalität und Gesunderhaltung langfristig zu verbessern.

Literatur:

Arnberg, J. (1981): Poisoning in animals due to oral application of iron with description of a case in a horse. Nord. VetMed. 33, 71 – 76.

Nielsen, B.D.; Vick, M.M.; Dennis P.M. (2012): A potential link between insulin resistance and iron overload disorder in browsing rhinoceroses investigated through the use of an equine model. J. Zoo Wildl. Med 43(3s): S 61-S65. 2012. Published By: American Association of Zoo Veterinarians.

Edens, L.M.; Robertson, J.L.; Feldman, B.F. (1993): Cholestatic hepatopathy, thrombocytopenia and lymphopenia associated with iron toxicity in a Thoroughbred gelding. Equine vet. J. 25, 81 – 84.

Fernandez-Real, JM.; Lopez-Bermejo A.; Ricart W. (2002): Cross-talk between iron metabolism and diabetes, Diabetes, 51(8): 2248-2354.

Jehn, M.; Clarl, J.M.; Guallar, E, (2004): Serum ferritin and Risk of metabolic syndrome in U.S. Adults. Diabetes Care, Oct; 27(10): 2422-8

Kirchgessner, M. (1997): Tierernährung. Verlag Union Agrar